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Color Change & First Crack – Was beim Kaffeerösten wirklich passiert

Color Change & First Crack – Was beim Kaffeerösten wirklich passiert

Color Change & First Crack – Was beim Kaffeerösten wirklich passiert

Der Ursprung bestimmt in erster Linie den Geschmack des Kaffees.
Ausschlaggebend sind der Anbau, die Ernte und die Aufbereitung – und am wichtigsten die Varietät. Die Varietät kannst du dir wie eine Rebsorte beim Wein vorstellen. Es gibt Varietäten, die eher floral schmecken, andere sind fruchtiger, wieder andere bringen schokoladige Noten und einen vollen Körper mit.

Die Aufbereitung ist nach der Varietät der zweitwichtigste Einflussfaktor. Gewaschen aufbereitete Kaffees schmecken häufig klarer und nuancierter und bilden das Geschmacksprofil der Region und der Varietät deutlicher ab. Natural (natürlich) aufbereitete Kaffees wirken oft wilder und sind häufig fruchtiger. Andere experimentelle Aufbereitungen bringen wiederum ganz eigene Charakteristika mit.

Du kannst es dir so vorstellen: Wir als Röster bekommen ein Haus, das wir einrichten. Wir können den Grundcharakter nicht komplett verändern. Aus einem von Natur aus schokoladigen Kaffee kann man keinen fruchtigen rösten. Man kann Fruchtigkeit ein Stück weit abmildern, aber ein stark fruchtiger, säurebetonter Kaffee wird diesen Grundcharakter nie vollständig verlieren. Ebenso kann man aus einem von Natur aus schokoladigem Rohkaffee keine ausgeprägt fruchtige „Fruchtbombe“ rösten.

Beim Kaffeerösten werden die Bohnen nicht nur „braun gemacht“; die grünen Bohnen durchlaufen in wenigen Minuten eine intensive physikalische und chemische Veränderung.

 

Hier schauen uns den Röstprozess genauer an:

Trocknungsphase, Maillard-Reaktion, First Crack und Farbveränderung.

 

Step 1: Die Trocknungsphase – Wasser muss raus

Dauer: ca. 3–6 Minuten (je nach Röstprofil)
Temperaturbereich: bis ca. 150 °C

Rohkaffee enthält etwa 8–12 % Wasser. In der ersten Phase wird ein Großteil verdampft.

Was passiert physikalisch?

  • Wasser verdampft
  • Die Bohne verliert Gewicht
  • Die Bohne wird von grün zu gelblich
  • Es entsteht ein leichter „Heu“-Geruch

Noch relativ wenig Aromabildung – hier geht es hauptsächlich um Energieaufnahme und Feuchtigkeitsverlust.

Diese Phase ist entscheidend: Wird sie zu schnell durchlaufen, kann die Bohne außen „überhitzen“, während sie innen noch feucht ist.

 

Step 2️: Die Maillard-Reaktion – Jetzt entstehen Aromen

Temperaturbereich: ca. 150–190 °C

Hier beginnt die eigentliche Magie: Die Maillard-Reaktion findet statt.

Eine chemische Reaktion zwischen:

  • Aminosäuren
  • reduzierenden Zuckern

Sie ist verantwortlich für:

  • dass sich Zucker wie Lactose und Glucose mit Aminosäuren verbinden, wodurch neue Geschmacksstoffe entstehen - die Bräunung
  • über 800 Aromen entstehen

Die Bohne färbt sich jetzt von gelblich zu hellbraun. Der Geruch verändert sich deutlich – von grasig zu süßlich – malzig.

 

Step 3️: First Crack – Zellstruktur der Kaffeebohne bricht auf

Temperatur: ca. 195–205 °C

Der First Crack ist ein deutlich hörbares Knacken – ähnlich wie Popcorn.

Was passiert?

Durch die Hitze:

  • CO₂ bildet sich im Inneren
  • der Druck steigt stark an
  • die Zellstruktur bricht auf
  • verbliebenes Wasser verdampft schlagartig

 

Nach dem First Crack – karamellisiert das Zucker in der Bohne, wenn der aromatische Höhepunkt erreicht ist.  

Der First Crack markiert den Übergang von:

  • endothermen Prozessen (Energieaufnahme)
    zu
  • exothermen Prozessen (Energieabgabe durch Reaktionen im Inneren).

Viele helle Röstungen enden kurz nach dem First Crack, um fruchtige und originäre Noten zu bewahren.

 

Step 4: Expansion und Porosität der Bohne

️ Die Bohne expandiert sichtbar (bis zu 60 % Volumenzunahme). Diese Expansion findet jedoch nicht ausschließlich während des First Cracks statt, sondern über den gesamten Röstvorgang hinweg.
️ Die Bohne wird über den gesamten Röstprozess schrittweise poröser.

 

Step 5: Farbveränderung der Bohne – Von Grün zu Braun

Die Farbentwicklung ist ein sichtbarer Indikator für chemische Prozesse:

 

Die dunkle Farbe entsteht durch:

  • fortschreitende Maillard-Reaktionen
  • Karamellisierung
  • Bildung von Melanoiden (braune Farbstoffe)

Je dunkler die Röstung, desto:

  • geringer die Säure
  • stärker die Röstaromen
  • dominanter Bitterstoffe
  • mehr wird die Zellstruktur zerstört – dadurch können die in jeder Bohne enthaltenen Öle und Fette leichter austreten (Zellzersetzung Pyrolyse)

Wir beim Rösthof rösten grundsätzlich nicht in den Second Crack hinein, da die Bohnen sonst aschig schmecken, stark an Körper verlieren und natürliche Aromen zerstören.

Good-to-know: Bei einem vorbehandelten Kaffee, zum Beispiel einem entkoffeinierten Kaffee, verändert die Vorbehandlung die Zellstruktur bzw. die Oberfläche der Bohne. Dadurch kann es sein, dass selbst bei helleren Röstgraden Öle und Fette schneller austreten und die Bohnen dunkler erscheinen. Das ist dann nicht automatisch ein Zeichen für einen dunkleren Röstgrad, sondern Folge der veränderten Struktur.

 

Fazit: Rösten ist kontrollierte Transformation

Beim Rösten passiert in kurzer Zeit unglaublich viel:

  • Wasser verdampft
  • Zucker mit Aminosäuren reagieren
  • Gase entstehen
  • Zellstrukturen brechen auf
  • Aromen entwickeln sich
  • Farbe verändert sich

Der First Crack ist dabei der entscheidende Moment – er zeigt, dass die Bohne bereit ist, ihr volles Aroma zu entfalten.

 

Im weiteren Blogbeitrag erzählen wir euch etwas mehr zu den Röstgraden.