„Kaffee verbindet Menschen“
Tobi:
Wir sind heute hier in der Glücksküche in Bremen. Julia, erzähl doch mal: Wer bist du und was machst du hier?
Julia:
Ich bin Julia und mir gehört die Glücksküche. Das Café gibt es jetzt seit ungefähr sechs Jahren. Aktuell bin ich zwar auch in der Elternzeit, aber die Glücksküche ist natürlich weiterhin mein Herzensprojekt.
Tobi:
Wie kam es eigentlich dazu, dass du ein eigenes Café eröffnet hast?
Julia:
Ich habe schon sehr lange in der Gastronomie gearbeitet und eigentlich immer davon geträumt, irgendwann etwas Eigenes zu machen. Ich habe Tourismus beziehungsweise BWL studiert, dazu eine gastronomische Ausbildung gemacht und in verschiedenen Cafés gearbeitet. Irgendwann kam einfach der Punkt, an dem ich dachte: Jetzt mache ich mein eigenes Ding.
Die Chance kam dann tatsächlich während der Corona-Zeit. Die Vorgängerin hier hat aufgehört und ich konnte den Laden übernehmen. Also habe ich gesagt: Jetzt oder nie.
Der Beginn der Zusammenarbeit
Tobi:
Weißt du noch, wie wir uns kennengelernt haben?
Julia:
Das war über Erik von Kaffee Bremen. Er meinte damals zu mir: „Frag doch mal bei Tobi an, der hat gerade frisch seine eigene Rösterei gestartet.“ Ich fand die Idee total schön, einen jungen lokalen Röster zu unterstützen.
Tobi:
Ich erinnere mich noch genau daran. Du kamst damals mit einer Freundin in die Rösterei und meintest erst mal: „Eigentlich brauche ich gar nichts von dir.“
Aber dann haben wir Kaffee probiert – und das war’s eigentlich.
Julia:
Ja, Liebe auf den zweiten Geschmack sozusagen.
Tobi:
Und tatsächlich warst du damals unsere erste Cafe-Kundin überhaupt. Und bist es bis heute geblieben.
Wann wurde Kaffee mehr als nur ein Getränk für euch?
Tobi:
Ich habe vorher fast zehn Jahre in einer Bremer Rösterei gearbeitet und mich privat schon sehr intensiv mit Kaffee beschäftigt. Irgendwann habe ich gemerkt, dass in einer Kaffeebohne viel mehr steckt als das, was oft daraus gemacht wird.
Mich haben Themen wie Transparenz, fairer Handel und direkter Kontakt zu Farmern und Kooperativen fasziniert. Deshalb wollte ich Kaffee so direkt und ehrlich wie möglich anbieten – und habe schließlich meine eigene Rösterei gegründet.
Julia:
Kaffee war irgendwie schon immer wichtig für mich. Richtig guten Kaffee habe ich aber erst später entdeckt, als ich mich intensiver mit Specialty Coffee beschäftigt habe – so ab 2014 oder 2015. Ich habe viele Kaffeeschulungen gemacht und irgendwann gemerkt, wie unterschiedlich Kaffee schmecken kann. Das hat mich total begeistert.
Für mich geht es dabei nicht nur um Geschmack, sondern auch um Qualität, Nachhaltigkeit und die Menschen hinter dem Produkt.
Außerdem liebe ich einfach die Atmosphäre, die Kaffee schafft. Menschen kommen zusammen, sitzen gemütlich zusammen, unterhalten sich – das ist etwas Besonderes.
„Kaffee als Verbindung zur Welt“
Was fasziniert dich besonders am Kaffee?
Julia:
Ich bin viel durch Lateinamerika gereist und habe dort gesehen, wie Menschen auf Kaffeeplantagen leben und arbeiten. Das hat mir nochmal gezeigt, wie wichtig fairer und sozial verträglicher Kaffee ist. Wenn man weiß, woher der Kaffee kommt und was bei den Bauern ankommt, bekommt das Ganze nochmal eine ganz andere Bedeutung.
Für mich ist es tatsächlich einfach der Geschmack – aber eben guter Kaffee. Specialty Coffee ist einfach etwas komplett anderes als irgendein Industriekaffee. Man schmeckt die Qualität sofort.
Und Kaffee hat immer auch etwas Soziales. Menschen treffen sich auf einen Kaffee, kommen ins Gespräch und fühlen sich wohl.
Tobi:
Mich begeistert vor allem die Vielschichtigkeit. Kaffee kann schokoladig schmecken, fruchtig, süß oder floral – je nachdem wie er geröstet und zubereitet wird.
Man kann mit Kaffee unglaublich viel machen und immer neue Facetten entdecken. Genau das macht ihn für mich so spannend.
Und natürlich verbindet Kaffee Menschen. Das sieht man hier in der Glücksküche besonders schön.
Lieblingskaffee & persönliche Vorlieben
Tobi:
Was ist dein Lieblingskaffee? Trinkst du lieber Blends oder Single Origins?
Julia:
Eigentlich mag ich beides. Ich liebe fruchtige Single-Origin-Kaffees, aber auch unseren Hausblend „Espresso Glücksküche“. Im Alltag trinke ich meistens Espresso, weil wir hier im Café hauptsächlich Espresso-Getränke verkaufen.
Tobi:
Beim Espresso mag ich klassische Blends mit leichter Fruchtnote. Für Filterkaffee bevorzuge ich eher reinsortige Kaffees mit spannenden Aromen. Besonders gerne bereite ich sie mit der V60 zu.
Experimente mit Kaffee
Julia:
Ich experimentiere total gerne mit verschiedenen Kaffees. Zum Beispiel mit dem „Wilma Galindez“ oder anderen Micro-Lots. Manche Kaffees, die eigentlich als Filterkaffee gedacht sind, schmecken auch als Espresso oder aus der Mokkakanne unglaublich spannend.
Tobi:
Genau das macht Specialty Coffee aus: ausprobieren, experimentieren und immer wieder neue Geschmackswelten entdecken.
Die häufigsten Fehler bei der Kaffeezubereitung
Tobi:
Viele Menschen machen sich beim Kaffee zu viele Gedanken. Am Ende gilt: Wenn der Kaffee schmeckt, ist alles richtig. Trotzdem empfehlen wir immer, Kaffee als ganze Bohne zu kaufen und frisch zu mahlen. So bleiben die Aromen viel besser erhalten.
Julia:
Und die Wassertemperatur spielt natürlich auch eine große Rolle. Zu heiß gebrühter Kaffee wird schnell bitter. Wir arbeiten meistens mit Temperaturen zwischen 92 und 94 Grad – das passt für unsere Kaffees am besten.
Was macht euch persönlich aus?
Tobi:
Ich würde sagen: Perfektionismus, die Liebe zum Kaffee und die Zusammenarbeit mit tollen Menschen wie Julia.
Julia:
Mich macht wahrscheinlich aus, dass ich immer unterwegs bin und ständig tausend Dinge gleichzeitig mache. Außerdem liebe ich guten Kaffee, Reisen und Sprachen.
Womit kann man dich auf der Arbeit begeistern?
Julia:
Wenn man mitdenkt und generell weiterdenken – da habe ich zum Glück ein supergutes Team. Und wenn man sich geschmacklich einbringt und neue Variationen ausprobiert – auch dass die Leute die gleiche Leidenschaft zu Essen und Trinken mitbringen und in die Arbeit mit einbringen.
Tobi:
Da bin ich auch voll bei dir – wenn die Leute mitdenken und selbständig anpacken. Da habe ich ein super Team.
Und wenn es ordentlich ist und mir Arbeit damit abgenommen wird.
Wenn du eine Superkraft hättest – welche wäre das?
Tobi:
Fliegen wäre cool, und dabei unverwundbar sein.
Julia:
Bei mir wäre es beamen – von einem Ort zu anderem Ort beamen, damit es schneller geht.
Ein persönliches Fazit
Tobi:
Am Ende verbindet Kaffee einfach Menschen.
Julia:
Genau. Und das ist wahrscheinlich das Schönste daran.

